Abgrenzungen: Übersicht
Diese Beitragsserie über die Abgrenzungen setzt voraus, dass die Grundlagen der doppelten Buchhaltung bekannt sind: Bilanz, Erfolgsrechnung, Konto, Soll und Haben sollten also keine Fremdwörter sein.
Abgrenzungen gehören nicht zu den beliebtesten Themen im Rechnungswesen. Für viele ist das Thema gewöhnungsbedürftig. Aber: auch wenn Abgrenzungen im Alltag kaum bewusst wahrgenommen werden – es gibt sie sogar im Privatleben. Ferien, Versicherungen oder Abonnemente werden oft im Voraus bezahlt. Ein Lohn oder ein Bonus wird dagegen manchmal erst nachträglich ausbezahlt. Privat führt deswegen kaum jemand eine Buchhaltung mit Abgrenzungen. Für buchführungspflichtige Unternehmen ist das jedoch Pflicht.
Der Grundgedanke ist einfach: Aufwände und Erträge müssen der richtigen Zeitperiode zugeordnet werden.
Entscheidend ist also nicht nur, wann Geld fliesst, sondern wofür und für welchen Zeitraum dieser Geldfluss erfolgt.
Konkret gibt es 4 verschiedene Abgrenzungsfälle:
- Ertrag nachträglich erhalten → aktive Rechnungsabgrenzung
- Aufwand im Voraus bezahlt → aktive Rechnungsabgrenzung
- Ertrag im Voraus erhalten → passive Rechnungsabgrenzung
- Aufwand nachträglich bezahlt → passive Rechnungsabgrenzung
Jeder dieser 4 Fälle wird in einem separaten Beitrag erklärt. Zentral und gemeinsam ist immer die gleiche Frage: Weicht der Zeitpunkt des Aufwandes oder Ertrages vom Zeitpunkt des Geldflusses ab?
Mit Abgrenzungsbuchungen können Aufwand und Ertrag unabhängig vom Geldfluss der richtigen Zeitperiode zugeordnet werden. Genau diese Logik steckt hinter den transitorischen Aktiven und Passiven bzw. hinter der aktiven und passiven Rechnungsabgrenzung.
Konti
Die Bezeichnungen sind sprechend: Abgrenzungen können in den Aktiven wie auch in den Passiven „erscheinen“. Das Gegenkonto ist immer ein Konto der Erfolgsrechnung. Das gilt bei der Bildung und bei der Auflösung. Für diesen Beitrag gilt also die Schulbuchregel: Bilanzkonto der Abgrenzung gegen Erfolgskonto – immer.
Die aktive Rechnungsabgrenzung wird im Umlaufvermögen, nach den Vorräten und angefangenen Arbeiten aufgeführt. (KMU-Kontoklasse 13)
Die passive Rechnungsabgrenzung wird im kurzfristigen Fremdkapital nach den übrigen kurzfristigen Verbindlichkeiten aufgeführt (KMU-Kontoklasse 23).
Bildung und Auflösung: Abgrenzungen buchen
Mit Abgrenzungen können Erträge und Aufwände buchhalterisch von einer Zeitperiode in eine andere umgebucht werden. Es braucht also immer zwei Buchungen: in der aktuellen Zeitperiode eine Buchung für die Bildung, in der folgenden Zeitperiode eine Buchung für die Auflösung.
In den folgenden Beiträgen schauen wir die vier Fälle Schritt für Schritt an.