Geldflussrechnung Grundlagen

Die Geldflussrechnung wird oft als «dritte Jahresrechnung» bezeichnet. Sie zeigt, wie und warum sich der Bestand an flüssigen Mitteln verändert hat.

Einfacher formuliert beantwortet sie zwei Fragen:
Woher ist das Geld gekommen – und wohin ist es geflossen?

Andere gebräuchliche Bezeichnungen sind Mittelflussrechnung, Kapitalflussrechnung, Cashflow-Statement oder Cashflow-Rechnung.

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Was zeigt die Geldflussrechnung?

Die Geldflussrechnung erklärt die Veränderung der flüssigen Mittel. Dazu gehören insbesondere Bargeld sowie Guthaben auf Bank- und Postkonten.

Sie zeigt die tatsächlichen Einzahlungen und Auszahlungen während einer bestimmten Periode, meistens während eines Geschäftsjahres.

Die Geldflussrechnung beantwortet damit eine andere Frage als die Erfolgsrechnung:

ErfolgsrechnungHat das Unternehmen einen Gewinn oder Verlust erzielt?
GeldflussrechnungWie haben sich die flüssigen Mittel verändert?

Gewinn ist nicht dasselbe wie Geld

Ein Unternehmen kann einen Gewinn ausweisen, obwohl seine flüssigen Mittel abgenommen haben. Umgekehrt kann der Geldbestand steigen, obwohl die Erfolgsrechnung einen Verlust zeigt.

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Eine Rechnung an einen Kunden wird sofort als Ertrag verbucht. Das Geld fliesst aber erst, wenn der Kunde die Rechnung bezahlt.
  • Eine Abschreibung vermindert den Gewinn. Im Zeitpunkt der Abschreibung fliesst aber kein Geld ab.
  • Die Aufnahme eines Bankkredits erhöht die flüssigen Mittel. Sie führt jedoch nicht zu einem Ertrag und erhöht deshalb den Gewinn nicht.
  • Der Kauf einer Maschine führt zu einer Auszahlung. Der gesamte Kaufpreis wird aber normalerweise nicht sofort als Aufwand verbucht.

Die Erfolgsrechnung zeigt den wirtschaftlichen Erfolg. Die Geldflussrechnung zeigt die tatsächliche Bewegung des Geldes.


Aufbau der Geldflussrechnung

Die Geldflussrechnung wird in drei Bereiche gegliedert:

  • Cashflow aus Betriebstätigkeit
  • Cashflow aus Investitionstätigkeit
  • Cashflow aus Finanzierungstätigkeit

Häufig werden die drei Bereiche verkürzt als Betrieb, Investitionen und Finanzierung bezeichnet.

Was zeigen die drei Bereiche? Klicke auf die Titel:

Der Bereich «Betrieb»

Im Bereich Betrieb werden die Einzahlungen aus der laufenden Geschäftstätigkeit den entsprechenden Auszahlungen gegenübergestellt.

Typische Einzahlungen sind Zahlungen von Kunden. Typische Auszahlungen entstehen für Waren, Material, Personal, Miete, Fahrzeuge, Versicherungen und andere laufende Betriebskosten.

Das Ergebnis wird als Cashflow aus Betriebstätigkeit, betrieblicher Cashflow oder operativer Cashflow bezeichnet.

Der Bereich beantwortet die Frage:
Wird mit dem eigentlichen Kerngeschäft Geld erwirtschaftet?

Ein dauerhaft negativer operativer Cashflow ist ein deutliches Warnsignal. Das Unternehmen verbraucht im laufenden Geschäft mehr Geld, als es erwirtschaftet. Die fehlenden Mittel müssen dann beispielsweise durch Kredite, Einlagen der Eigentümer oder den Verkauf von Vermögenswerten beschafft werden.

Ein einzelner negativer operativer Cashflow muss jedoch nicht automatisch bedeuten, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt. Gründe können beispielsweise starkes Wachstum, der Aufbau von Vorräten, saisonale Schwankungen oder aussergewöhnlich hohe Zahlungen sein.

Der Bereich «Investitionen»

Im Bereich Investitionen werden die Ein- und Auszahlungen im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Anlagevermögen gezeigt.

Dazu gehören beispielsweise Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude, Informatikanlagen oder langfristig gehaltene Finanzanlagen.

Der Kauf eines Anlagegutes wird als Investition bezeichnet und führt grundsätzlich zu einer Auszahlung. Der Verkauf eines Anlagegutes wird als Desinvestition bezeichnet und führt grundsätzlich zu einer Einzahlung.

Beispiel:
Eine Geldflussrechnung weist einen scheinbar positiven operativen Cashflow von CHF 350’000 aus. Darin ist jedoch die Einzahlung von CHF 500’000 aus dem Verkauf einer Maschine enthalten.

Diese CHF 500’000 stammen nicht aus dem laufenden Geschäft, sondern aus einer Desinvestition. Sie müssen deshalb dem Investitionsbereich zugeordnet werden.

Ohne den Maschinenverkauf beträgt der operative Cashflow CHF –150’000. Das Unternehmen hat mit seinem Kerngeschäft somit Geld verloren. Diese Information wäre durch die falsche Zuordnung verdeckt worden.

Der Bereich «Finanzierung»

Im Bereich Finanzierung werden die Geldflüsse zwischen dem Unternehmen und seinen Kapitalgebern gezeigt.

Benötigt das Unternehmen zusätzliches Geld, kann es beispielsweise einen Kredit aufnehmen oder die Eigentümer können weiteres Eigenkapital einzahlen. Diese Vorgänge führen zu Einzahlungen aus Finanzierungstätigkeit.

Umgekehrt kann das Unternehmen Kredite amortisieren, Kapital an die Eigentümer zurückzahlen oder Gewinne ausschütten. Diese Vorgänge führen zu Auszahlungen aus Finanzierungstätigkeit.

Typische Positionen sind somit:

+ Aufnahme von Bankkrediten
+ Einzahlungen der Eigentümer
– Rückzahlung von Krediten
– Rückzahlung von Eigenkapital
– Dividenden und andere Ausschüttungen

In diesem Grundlagenbeitrag werden Dividendenzahlungen dem Finanzierungsbereich zugeordnet. Sie stellen eine Auszahlung an die Kapitalgeber dar.

Warum ist die Aufteilung notwendig?

Die Aufteilung verhindert, dass unterschiedliche Vorgänge miteinander vermischt werden.

Eine Einzahlung aus einem Bankkredit erhöht zwar den Geldbestand. Sie sagt aber nichts darüber aus, ob das Unternehmen mit seinem Kerngeschäft erfolgreich ist. Dasselbe gilt für den Verkauf einer Maschine.

Erst die Trennung der drei Bereiche ermöglicht eine sinnvolle Beurteilung der Geldflüsse.

Vom Anfangsbestand zum Endbestand

Die drei Bereiche erklären gemeinsam die Veränderung der flüssigen Mittel:

Anfangsbestand der flüssigen Mittel
+ / – Cashflow aus Betriebstätigkeit
+ / – Cashflow aus Investitionstätigkeit
+ / – Cashflow aus Finanzierungstätigkeit
= Endbestand der flüssigen Mittel

Jeder der drei Cashflows kann positiv oder negativ sein. Entscheidend ist nicht nur das Gesamtergebnis, sondern auch, wie dieses Ergebnis entstanden ist.

Ein einfaches Gesamtbeispiel

Anfangsbestand der flüssigen MittelCHF 100’000
Cashflow aus Betriebstätigkeit+ CHF 40’000
Cashflow aus Investitionstätigkeit– CHF 70’000
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit+ CHF 50’000
Endbestand der flüssigen MittelCHF 120’000

Die flüssigen Mittel haben um CHF 20’000 zugenommen.

Das Unternehmen hat im laufenden Geschäft CHF 40’000 erwirtschaftet. Für Investitionen wurden netto CHF 70’000 ausgegeben. Weil der betriebliche Cashflow nicht ausreichte, wurde zusätzlich eine Finanzierung von CHF 50’000 aufgenommen.

Die Zunahme des Geldbestandes allein würde diese Zusammenhänge nicht zeigen. Erst die Aufteilung in die drei Bereiche macht sie sichtbar.


Berechnung des operativen Cashflows

Für die Berechnung beziehungsweise Darstellung des operativen Cashflows gibt es zwei Methoden:

  • die direkte Methode
  • die indirekte Methode

Beide Methoden führen grundsätzlich zum gleichen operativen Cashflow. Sie zeigen den Weg dorthin jedoch unterschiedlich.

Direkte Berechnung

Bei der direkten Methode werden die tatsächlichen betrieblichen Ein- und Auszahlungen aufgelistet.

Die Gliederung erinnert optisch an eine Erfolgsrechnung. Es werden jedoch nicht Erträge und Aufwände gezeigt, sondern die tatsächlich erfolgten Zahlungen.

Zahlungen von Kunden
– Zahlungen für Waren und Material
– Zahlungen für Personal
– Zahlungen für Miete, Versicherungen und übrige Betriebskosten
– weitere betriebliche Auszahlungen
= Operativer Cashflow

Der Detaillierungsgrad kann an die Informationsbedürfnisse des Unternehmens angepasst werden.

Die Zahlungen für Personal können beispielsweise in Lohnzahlungen und Zahlungen an Sozialversicherungen aufgeteilt werden. Auch die übrigen Betriebskosten lassen sich weiter unterteilen.

Vorteile der direkten Methode

  • Die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen sind direkt sichtbar.
  • Die Darstellung ist transparent und leicht verständlich.
  • Entwicklungen und mögliches Spar- oder Optimierungspotenzial lassen sich gut erkennen.
  • Bei einer entsprechend aufgebauten Buchhaltung kann die Erstellung relativ einfach sein.

Nachteile der direkten Methode

  • Die benötigten Zahlungsinformationen müssen in der Buchhaltung verfügbar und richtig zugeordnet sein.
  • Eine sehr detaillierte Darstellung kann unübersichtlich werden.
  • Bei ungeeigneten Buchhaltungsstrukturen kann die Aufbereitung aufwendig sein.

Indirekte Berechnung

Bei der indirekten Methode wird nicht direkt mit den Zahlungen begonnen. Ausgangspunkt ist das Ergebnis der Erfolgsrechnung.

Dieses Ergebnis wird anschliessend um Positionen korrigiert, die den Gewinn oder Verlust beeinflusst haben, aber nicht oder nicht in derselben Periode zu einer Zahlung geführt haben.

Erster Schritt: nicht liquiditätswirksame Positionen

Ergebnis der Erfolgsrechnung
+ nicht liquiditätswirksame Aufwände
– nicht liquiditätswirksame Erträge
= Zwischenergebnis

Das bekannteste Beispiel für einen nicht liquiditätswirksamen Aufwand ist die Abschreibung.

Abschreibungen vermindern das Ergebnis der Erfolgsrechnung. Im Zeitpunkt der Abschreibung fliesst jedoch kein Geld ab. Deshalb werden sie bei der indirekten Berechnung wieder zum Ergebnis addiert.

Ergebnis der Erfolgsrechnung
+ Abschreibungen
= vereinfachter operativer Cashflow

Dieses stark vereinfachte Schema genügt nur für sehr einfache Theoriebeispiele. In der Praxis müssen zusätzlich Veränderungen verschiedener Bilanzpositionen berücksichtigt werden.

Zweiter Schritt: Veränderungen des Working Capitals

Der Begriff Working Capital bezeichnet in diesem Zusammenhang insbesondere die kurzfristigen betrieblichen Aktiven und Passiven.

Für die Vorzeichen gilt folgende Grundlogik:

VeränderungWirkung auf den operativen Cashflow
Betriebliche Aktiven nehmen zu
Betriebliche Aktiven nehmen ab+
Betriebliche Passiven nehmen zu+
Betriebliche Passiven nehmen ab

Zunehmende betriebliche Aktiven binden Geld. Zunehmende betriebliche Passiven schonen vorübergehend die flüssigen Mittel.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, kurz FLL, entstehen insbesondere durch noch nicht bezahlte Kundenrechnungen.

Nehmen die Forderungen zu, wurde mehr Ertrag verbucht, als Geld von Kunden eingegangen ist. Die Zunahme wird deshalb bei der indirekten Berechnung abgezogen.

Nehmen die Forderungen ab, haben Kunden bestehende Rechnungen bezahlt. Die Abnahme wird deshalb addiert.

Vorräte

Nehmen die Vorräte zu, wurde Geld in Waren oder Material gebunden, das noch nicht verkauft oder verbraucht wurde. Die Zunahme wird deshalb abgezogen.

Nehmen die Vorräte ab, wird gebundenes Geld wirtschaftlich wieder freigesetzt. Die Abnahme wird deshalb addiert.

Die reine Buchung der Bestandesänderung löst zwar keine Zahlung aus. Der vorgängige Einkauf der Vorräte kann aber sehr wohl zu einer Auszahlung geführt haben.

Aktive Rechnungsabgrenzungen

Aktive Rechnungsabgrenzungen, kurz ARA, entstehen insbesondere bei noch nicht fakturierten Erträgen oder bei im Voraus bezahlten Aufwänden.

Eine Zunahme der betrieblichen ARA bindet grundsätzlich Geld beziehungsweise zeigt Ertrag, dem noch keine Einzahlung gegenübersteht. Sie wird deshalb abgezogen.

Eine Abnahme wird grundsätzlich addiert.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, kurz VLL, entstehen durch bereits verbuchte, aber noch nicht bezahlte Lieferantenrechnungen.

Nehmen die betrieblichen Verbindlichkeiten zu, wurde bereits Aufwand verbucht, ohne dass das Geld abgeflossen ist. Die Zunahme wird deshalb addiert.

Nehmen die Verbindlichkeiten ab, wurden Rechnungen bezahlt. Die Abnahme wird deshalb abgezogen.

Passive Rechnungsabgrenzungen und Rückstellungen

Passive Rechnungsabgrenzungen, kurz PRA, können entstehen, wenn Aufwand bereits erfasst wurde, die entsprechende Zahlung aber erst später erfolgt. Sie können auch entstehen, wenn Geld bereits eingegangen ist, der Ertrag jedoch erst eine spätere Periode betrifft.

Rückstellungen werden für erwartete Verpflichtungen gebildet, deren Höhe oder Zahlungszeitpunkt noch unsicher ist.

Soweit diese Positionen die Betriebstätigkeit betreffen, gilt grundsätzlich:

Eine Zunahme wird addiert.
Eine Abnahme wird abgezogen.

Grundschema der indirekten Methode

Ergebnis der Erfolgsrechnung
+ nicht liquiditätswirksame Aufwände
– nicht liquiditätswirksame Erträge
– Zunahme betrieblicher kurzfristiger Aktiven
+ Abnahme betrieblicher kurzfristiger Aktiven
+ Zunahme betrieblicher kurzfristiger Passiven
– Abnahme betrieblicher kurzfristiger Passiven
= Operativer Cashflow

Für typische Einsteigeraufgaben kann das Schema mit konkreten Konten wie folgt dargestellt werden:

Ergebnis der Erfolgsrechnung
+ Abschreibungen
+ Zunahme VLL, PRA und betrieblicher Rückstellungen
– Abnahme VLL, PRA und betrieblicher Rückstellungen
– Zunahme FLL, Vorräte und ARA
+ Abnahme FLL, Vorräte und ARA
= Operativer Cashflow

Dieses Schema deckt typische Grundlagenaufgaben ab. In der Praxis müssen oft weitere Positionen geprüft und korrigiert werden.

Zusatzwissen: Gewinne und Verluste aus Anlagenverkäufen

Wird eine Maschine verkauft, gehört der gesamte Verkaufspreis als Einzahlung in den Investitionsbereich.

Entsteht beim Verkauf ein Buchgewinn, ist dieser Gewinn bereits im Ergebnis der Erfolgsrechnung enthalten. Bei der indirekten Berechnung muss der Buchgewinn deshalb vom Ergebnis abgezogen werden.

Ein Buchverlust aus dem Verkauf wird entsprechend addiert.

Beispiel:
Buchwert der Maschine: CHF 80’000
Verkaufspreis: CHF 100’000
Buchgewinn: CHF 20’000

Im Investitionsbereich werden CHF 100’000 als Einzahlung gezeigt. Bei der indirekten Berechnung des operativen Cashflows werden die CHF 20’000 Buchgewinn wieder vom Jahresergebnis abgezogen.

Zusatzwissen: Nicht jede kurzfristige Bilanzposition gehört zum Betrieb

Bei der indirekten Berechnung dürfen nur die Veränderungen von betrieblichen Positionen berücksichtigt werden.

Auf den Konten FLL oder VLL können beispielsweise auch offene Rechnungen aus dem Kauf oder Verkauf einer Maschine enthalten sein. Diese Positionen betreffen den Investitionsbereich und dürfen den operativen Cashflow nicht beeinflussen.

Auch kurzfristige Bankkredite gehören grundsätzlich zur Finanzierungstätigkeit und nicht zum betrieblichen Working Capital.

Die Kontensalden müssen deshalb in der Praxis auf ihre wirtschaftliche Ursache geprüft werden.

Vorteile der indirekten Methode

  • Die Berechnung kann auf der Erfolgsrechnung und den Bilanzveränderungen aufgebaut werden.
  • Der Zusammenhang zwischen Jahresergebnis und operativem Cashflow wird sichtbar.
  • Die Darstellung ist kompakt.
  • Nicht liquiditätswirksame Erfolgspositionen werden erkennbar.

Nachteile der indirekten Methode

  • Die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen sind nicht direkt sichtbar.
  • Die Vorzeichen der Bilanzveränderungen können für Einsteiger verwirrend sein.
  • Konten müssen darauf geprüft werden, ob sie wirklich die Betriebstätigkeit betreffen.
  • In der Praxis können zusätzliche Korrekturen notwendig sein.

Beispiel einer vollständigen Geldflussrechnung

Eine vereinfachte Geldflussrechnung kann wie folgt aussehen:

Cashflow aus Betriebstätigkeit
Zahlungen von KundenCHF 900’000
– Zahlungen für Waren und MaterialCHF –520’000
– Zahlungen für PersonalCHF –250’000
– übrige betriebliche AuszahlungenCHF –80’000
Cashflow aus BetriebstätigkeitCHF 50’000
Cashflow aus Investitionstätigkeit
Kauf einer MaschineCHF –120’000
Verkauf eines FahrzeugesCHF 20’000
Cashflow aus InvestitionstätigkeitCHF –100’000
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit
Aufnahme eines BankkreditsCHF 80’000
Auszahlung einer DividendeCHF –10’000
Cashflow aus FinanzierungstätigkeitCHF 70’000
Veränderung der flüssigen MittelCHF 20’000
Flüssige Mittel am Anfang des JahresCHF 100’000
Flüssige Mittel am Ende des JahresCHF 120’000

Die flüssigen Mittel haben zwar um CHF 20’000 zugenommen. Gleichzeitig zeigt die Geldflussrechnung aber, dass die Investitionen nicht vollständig durch den operativen Cashflow finanziert werden konnten.

Das Unternehmen hat deshalb einen zusätzlichen Bankkredit aufgenommen.

Die Geldflussrechnung zeigt somit nicht nur, ob mehr oder weniger Geld vorhanden ist. Sie zeigt vor allem, weshalb sich der Geldbestand verändert hat.


Free Cashflow

Der Free Cashflow zeigt vereinfacht, wie viel Geld nach den notwendigen Investitionen noch zur Verfügung steht.

Operativer Cashflow
– Nettoauszahlungen für Investitionen
= Free Cashflow

Da der Cashflow aus Investitionstätigkeit bei Nettoinvestitionen negativ ist, wird die Berechnung auch häufig wie folgt dargestellt:

Operativer Cashflow
+ Cashflow aus Investitionstätigkeit
= Free Cashflow

Diese vereinfachte Berechnung ist besonders dann aussagekräftig, wenn der Investitionsbereich hauptsächlich die für den Betrieb notwendigen Käufe und Verkäufe von Anlagegütern enthält.

Ein positiver Free Cashflow kann beispielsweise verwendet werden für:

  • die Rückzahlung von Krediten;
  • die Auszahlung von Dividenden;
  • den Aufbau einer Liquiditätsreserve;
  • spätere Investitionen;
  • die Finanzierung von Wachstum.

Zusammenhang mit der Innenfinanzierung

Von Innenfinanzierung spricht man, wenn sich ein Unternehmen Mittel aus seiner eigenen Geschäftstätigkeit beschafft und diese im Unternehmen belässt.

Dazu gehört insbesondere die Selbstfinanzierung durch zurückbehaltene Gewinne. Ein positiver Cashflow erleichtert die Innenfinanzierung, ist aber nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen.

Ein Unternehmen kann beispielsweise einen Gewinn erzielen, obwohl das Geld in Forderungen oder Vorräten gebunden ist. Umgekehrt kann ein hoher operativer Cashflow entstehen, obwohl der ausgewiesene Gewinn relativ tief ist.

Gewinn, operativer Cashflow und Free Cashflow sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.


Verständnisfragen

Begriffe und Rechenschemas lassen sich auswendig lernen. Damit kann das Thema aber noch nicht sicher angewendet werden.

Mit den folgenden Fragen kannst Du prüfen, ob Du die Zusammenhänge verstanden hast:

In welche drei Bereiche wird die Geldflussrechnung gegliedert und warum?

Die Geldflussrechnung wird in die Bereiche Betriebstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit gegliedert.

Die Gliederung ist notwendig, weil die drei Bereiche unterschiedliche wirtschaftliche Ursachen haben.

Eine Einzahlung aus einem Bankkredit erhöht den Geldbestand, stammt aber nicht aus dem Kerngeschäft. Dasselbe gilt für den Verkauf einer Maschine.

Würden solche Vorgänge dem Betrieb zugerechnet, könnte der operative Cashflow falsch beurteilt werden. Das Management könnte dadurch falsche Entscheidungen treffen und mögliche Probleme der Zahlungsfähigkeit zu spät erkennen.

Warum kann ein Unternehmen Gewinn erzielen, obwohl seine flüssigen Mittel abnehmen?

Erträge und Aufwände werden periodengerecht erfasst. Ein- und Auszahlungen werden dagegen im Zeitpunkt des tatsächlichen Geldflusses berücksichtigt.

Ein Unternehmen kann beispielsweise viele Leistungen als Ertrag verbuchen, obwohl die Kundenrechnungen noch nicht bezahlt wurden. Gleichzeitig können hohe Investitionen, Kreditrückzahlungen oder andere Auszahlungen anfallen.

Der Gewinn kann deshalb positiv sein, obwohl die flüssigen Mittel abnehmen.

Wie funktioniert die direkte Berechnung des operativen Cashflows?

Bei der direkten Methode werden die tatsächlichen betrieblichen Einzahlungen den tatsächlichen betrieblichen Auszahlungen gegenübergestellt.

Von den Zahlungen der Kunden werden beispielsweise die Zahlungen an Lieferanten, Mitarbeitende, Vermieter, Versicherungen und andere betriebliche Zahlungsempfänger abgezogen.

Das Ergebnis ist der operative Cashflow.

Wie funktioniert die indirekte Berechnung des operativen Cashflows?

Ausgangspunkt der indirekten Methode ist das Ergebnis der Erfolgsrechnung.

Dieses wird um nicht liquiditätswirksame Aufwände und Erträge sowie um Veränderungen der betrieblichen kurzfristigen Aktiven und Passiven korrigiert.

Typische Korrekturen sind:

+ Abschreibungen
– Zunahme von Forderungen, Vorräten und aktiven Rechnungsabgrenzungen
+ Abnahme von Forderungen, Vorräten und aktiven Rechnungsabgrenzungen
+ Zunahme von betrieblichen Verbindlichkeiten und passiven Rechnungsabgrenzungen
– Abnahme von betrieblichen Verbindlichkeiten und passiven Rechnungsabgrenzungen

Wichtig ist, dass nur Positionen aus der Betriebstätigkeit berücksichtigt werden.

Warum wird die Zunahme von Forderungen abgezogen, die Zunahme von Verbindlichkeiten aber addiert?

Eine Zunahme der Forderungen bedeutet, dass Ertrag verbucht wurde, das Geld von den Kunden aber noch nicht eingegangen ist. Deshalb muss die Zunahme vom Ergebnis abgezogen werden.

Eine Zunahme der Verbindlichkeiten bedeutet, dass Aufwand verbucht wurde, die Lieferantenrechnungen aber noch nicht bezahlt wurden. Der Aufwand hat den Gewinn bereits vermindert, das Geld ist jedoch noch nicht abgeflossen. Deshalb wird die Zunahme addiert.

Wie wird der Free Cashflow berechnet und was sagt er aus?

Der Free Cashflow ergibt sich vereinfacht aus dem operativen Cashflow abzüglich der Nettoauszahlungen für Investitionen.

Er zeigt, wie viel Geld nach den notwendigen Investitionen noch zur Verfügung steht.

Ein positiver Free Cashflow kann beispielsweise für Kreditrückzahlungen, Ausschüttungen, Liquiditätsreserven oder spätere Investitionen verwendet werden.

Bleiben erwirtschaftete Mittel im Unternehmen, können sie zur Innenfinanzierung beitragen. Der Free Cashflow ist jedoch nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen.


Gesetzliche Vorschriften

Nicht jedes Unternehmen ist nach dem Obligationenrecht verpflichtet, eine Geldflussrechnung zu erstellen.

Für Unternehmen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, sieht das OR grundsätzlich zusätzliche Anforderungen an den Geschäftsbericht vor.

Artikel 961 OR

Unternehmen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind, müssen: 1. zusätzliche Angaben im Anhang der Jahresrechnung machen; 2. als Teil der Jahresrechnung eine Geldflussrechnung erstellen; 3. einen Lagebericht verfassen.

Weitere Bestimmungen können jedoch Erleichterungen vorsehen. Insbesondere kann unter bestimmten Voraussetzungen auf die separate Geldflussrechnung verzichtet werden, wenn das Unternehmen selbst oder eine kontrollierende juristische Person eine Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellt.

Artikel 961b OR

Artikel 961b OR schreibt die grundsätzliche Gliederung der gesetzlichen Geldflussrechnung vor:

Die Geldflussrechnung stellt die Veränderung der flüssigen Mittel aus der Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit je gesondert dar.

Für Unternehmen, die gesetzlich eine Geldflussrechnung erstellen müssen, sind die drei Bereiche somit gesondert auszuweisen.

Auch bei einer freiwillig erstellten Geldflussrechnung ist diese Gliederung sinnvoll und üblich, weil nur so aussagekräftige Informationen entstehen.

Finanzkontrolle durch den Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat ist unter anderem für die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle und – soweit notwendig – der Finanzplanung verantwortlich.

Daraus entsteht nicht automatisch für jedes Unternehmen eine gesetzliche Pflicht zur Erstellung einer formellen Geldflussrechnung.

Eine Geldflussrechnung kann jedoch auch bei kleineren Unternehmen ein wichtiges Instrument der Finanzkontrolle und Liquiditätsplanung sein.

Weitere Rechnungslegungsstandards

Neben dem Obligationenrecht können weitere Rechnungslegungsstandards massgebend sein. Dazu gehören insbesondere:

  • Swiss GAAP FER
  • die IFRS Accounting Standards
  • US GAAP

Welcher Standard anzuwenden ist, hängt unter anderem von der Art und Grösse des Unternehmens, einer möglichen Börsenkotierung und weiteren rechtlichen oder vertraglichen Anforderungen ab.

Diese Regelwerke enthalten teilweise detailliertere Bestimmungen zur Geldflussrechnung als das OR. Für die Erstellung eines konkreten Abschlusses sind deshalb immer die Vorschriften des tatsächlich angewendeten Rechnungslegungsstandards zu beachten.


Die Erfolgsrechnung zeigt, ob ein Unternehmen Gewinn erzielt hat. Die Geldflussrechnung zeigt, ob und wo tatsächlich Geld geflossen ist.

Erst zusammen vermitteln Bilanz, Erfolgsrechnung und Geldflussrechnung ein umfassenderes Bild der finanziellen Situation eines Unternehmens.

— rwcoach.ch

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